Hintergrund

Die Zahl der Übergewichtigen und Adipösen (Fettleibigen) nimmt in Deutschland laut 13. DGE-Ernährungsbericht weiter zu. Jede dritte Frau im gebärfähigen Alter sowie ca. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 3 bis 17 Jahren sind laut KiGGS-Studie (2003 - 2006) des Robert-Koch-Instituts übergewichtig.

Übergewicht und Adipositas in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für das Eintreten von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen signifikant, insbesondere Gestationsdiabetes (GDM), Präeklampsie, Makrosomie und Kaiserschnitte. Aktuell wird in Deutschland bei 53,6 Prozent der Schwangeren eine gemäß der Kriterien des „Institute of Medicine“ (IOM) übermäßige Gewichtszunahme beobachtet.

Studien weisen darauf hin, dass eine übermäßige Gewichtszunahme – ebenso wie der Lebensstil der Mutter in der Schwangerschaft – die kindliche Entwicklung beeinflussen. Diese als „perinatale Programmierung“ bezeichneten Prozesse werden durch eine Wechselwirkung zwischen Innen- und Außenfaktoren, wie z. B. Hormone und mütterliche Ernährung, mit dem Organismus des ungeborenen Kindes ausgelöst. Die unerwünschte Prägung des Stoffwechsels (Fehlprogrammierung) wird als Risikofaktor für ein erhöhtes Geburtsgewicht sowie späteres Übergewicht des Kindes angesehen. Ebenso erhöht mütterliches Übergewicht in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit des Kindes im späteren Leben eine chronische Erkrankung, wie z. B. Diabetes mellitus, zu entwickeln.

Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, neue Strategien zur Prävention und Aufklärung über die Risiken einer übermäßigen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft zu entwickeln und flächendeckend in Deutschland einzusetzen. Laut KiGGS-Studie zählen zu den modifizierbaren mütterlichen Risikofaktoren für Übergewicht des Kindes mangelnde körperliche Aktivität, ungesunde Ernährung, Rauchen während der Schwangerschaft sowie zu wenig Schlaf.

Diese Faktoren sollen im Projekt „Gemeinsam gesund: Vorsorge plus für Mutter und Kind“ (GeMuKi) im Rahmen einer zukunftsweisenden Präventionsstrategie adressiert werden. Basis für die Intervention sind die gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft und frühen Kindheit in den ersten 1.000 Tagen (Konzeption bis zum zweiten Geburtstag des Kindes).

Nach dem Versorgungsbericht der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg nehmen 100 Prozent der Schwangeren an mindestens einer Mutterschaftsvorsorgeuntersuchung teil, davon 98 Prozent beim Frauenarzt. Schwangere mit sozialer Belastung sowie Kinder mit Migrationshintergrund und aus niedrigen sozialen Schichten nehmen ebenfalls Vorsorgeuntersuchungen wahr, jedoch deutlich weniger als das Gesamtkollektiv.

Bislang dienen die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft, nach der Entbindung und im Kindesalter in erster Linie der Früherkennung von Krankheiten. Themen wie Ernährung und Bewegung finden in der kontinuierlichen Prävention zu wenig Beachtung, sodass diese beeinflussbaren Risikofaktoren gerade durch die beteiligten Berufsgruppen (Frauenärzte, Hebammen sowie Kinder- und Jugendärzte) fachgruppen- und sektorenübergreifend noch zu wenig abgestimmt sind. Hier setzt GeMuKi an, um die Qualität der Versorgung zu hinterfragen und neue Wege der Kommunikation aufzuzeigen.

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